Nachtzug nach Lissabon

Nachtzug nach Lissabon

(Pascal Mercier)

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Roman, 495 Seiten

Ausbrechen aus dem eigenen öden Leben? Mitten in der Routine aufstehen und fortgehen?Immer mehr Bücher erzählen Geschichten von Helden des Alltags. Denn eine ordentliche Portion Mut gehört definitiv dazu, einfach alles stehen und liegen zu lassen, um ein völlig neues Leben zu beginnen.
Raimund Gregorius hätte vermutlich nie gedacht, besagten Mut zu besitzen. Als wahrer Künstler alter Sprachen unterrichtet er seit Jahrzehnten am Gymnasium und trägt bei Schülern sowie Kollegen den Spitznamen „Mundus der Papyrus“. Und dieser Name verrät dem Leser eigentlich schon von Beginn an alles, was unseren Hauptcharakter ausmacht: Langsam und bedacht übersetzt Gregorius jeden seiner Lehrtexte fehlerfrei und wandelt gleich einer verstaubten und vergilbten Pergamentrolle durch die Gänge der Schule. Eines Tages kommt er in den Besitz eines portugiesischen Buches, das sein Leben verändern soll: Der tiefsinnige sprachgewaltige Schreibstil des Autors Amadeu Inácio de Almeida Prado verzaubert Gregorius im Nu und bringt die Staubflusen in seinen grauen Haaren zum Tanzen. Auf der Stelle verspürt Gregorius den unwiderstehlichen Drang, Portugiesisch zu erlernen und mehr über das Leben des Schriftstellers zu erfahren. So begibt sich unser Held auf eine unwirklich anmutende Schnitzeljagd nach Prados Vergangenheit und reißt den Leser (manchmal mehr manchmal weniger) mit in eine abenteuerliche Odyssee auf der Suche nach Poesie, nach Sprache und letztendlich auf der Suche nach sich selbst.
Für alle Leseratten, die gerne mal etwas (komplett) Neues ausprobieren wollen, keine Scheu vor tiefgehenden Gedanken über Leben und Religion haben, einen Funken geschichtlichen Interesses mitbringen und das Spiel mit Sprache lieben kann ich dieses Buch empfehlen.
Solltet ihr nichts mit wortgewandten Textpassagen zu Loyalität, Angst vor dem Tod, Intimität und Freundschaft am Hut haben – lieber Finger weg.
Mehr Infos zur Geschichte findet ihr unter: