Der Prozess

Der Prozess

(Franz Kafka)

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Roman, 208 Seiten

Um das gleich mal klarzustellen: Den zweiten Stern der Bewertung gibt es nur wegen dem verdammt guten Gefühl, das Buch endlich (endlich, endlich – danke lieber Gott!) ausgelesen zu haben und diesem triumphalen Moment (der hoffentlich bald eintritt), wenn dich irgendjemand fragt: „Kafka? … Da gibt es doch diesen Roman… Wie hieß der? Der Prozess?“ und man kann daraufhin mit lässigem Schulterzucken sagen: „Ach ja, der Prozess. Hab ich schon gelesen.“

Laut Buchrücken behandelt die Lektüre „auf beispielhafte Weise die wesentlichen Existenzfragen des modernen Menschen und formuliert sie neu“ (Anaconda Verlag). Schon bei diesem Satz hätten sich meine Nackenhaare in der Buchhandlung warnend kräuseln sollen. Leider waren die Nackenhaare wohl wegen des netten Covers und des niedrigen Preises kurzfristig irritiert.

Naja, alles der Reihe nach – worum geht’s? Josef K. wird an seinem 30. Geburtstag grundlos verhaftet. Niemand klärt ihn auf, niemand kennt das Gesetz, niemand den Kläger. Josef K. wehrt sich vergeblich gegen die angebliche „Schuld“, kämpft gegen ein unsichtbares Gericht und einen nicht greifbaren Gegner. Er wehrt sich erfolglos – ein Jahr nach seiner Anklage wird Josef K. seiner „gerechten Strafe“ zugeführt.

Kennt ihr diese Bücher, bei denen man sich während des Lesens fürchterlich aufregen muss? Genau zu dieser Sorte gehört Der Prozess. Gratulation, Franz Kafka. Am liebsten würde man den Hauptcharakter des Buchs so richtig fest durchschütteln um ihm anschließend mit einer Bratpfanne eins überzuziehen. Wieso hinterfragt er nicht die Gründe für seine Verhaftung? Warum akzeptiert er ab einem gewissen Punkt alle Umstände und ergibt sich der ungerechten Behandlung?

Allen hartgesottenen Literaturfans, die auch vor der „Neuformulierung der wesentlichen Existenzfragen des modernen Menschen“ nicht zurückschrecken, wünsche ich viel Erfolg beim Kampf gegen die Ungerechtigkeit – und gegen Kafka.