Die Entdeckung der Langsamkeit

Die Entdeckung der Langsamkeit

(Sten Nadolny)

*****

Roman (basierend auf einer wahren Geschichte), 358 Seiten

John Franklin hat einen Traum. Er will zur See fahren, unbekannte Länder und Meere entdecken. Doch John könnte nicht ungeeigneter sein als großer Entdecker und Weltenbummler, denn er ist langsam. Langsam nicht nur in seinem Handeln sondern auch in seinem Denken. Wie in Zeitlupe fließt jeder Tag an ihm vorbei. Schnelle Bewegungen werden zu Schlieren, von raschen Abläufen nimmt er nur Ausschnitte wahr. Johns tägliche Herausforderungen beziehen sich auf das Fangen von Bällen oder das schnelle Picken von Hühnern, dem er partout nicht folgen kann.

„[…] Hühner waren nicht angenehm. Sie suchten dem Auge auf plumpe Art Streiche zu spielen. […] Schaute er aufs Huhn, dann zur Turmuhr, dann wieder aufs Huhn, so stand es starr und warnend wie vordem, hatte aber inzwischen gepickt, gekratzt, den Hals gewandt […], alles Täuschung!“
(Nadolny, 1987)

John erlebt Krieg und Sterben und doch kehrt er nach Hause zurück. Selbst danach hält er an seinem Plan fest, der immer konkreter wird: Als Seefahrer will er die berüchtigte Nordwestpassage finden.

Nach und nach erkennt John die Qualitäten seiner Langsamkeit und lernt, sie zu seinen Gunsten auszuspielen. So mühsam das Erlernen neuer Dinge für ihn ist, einmal Erlerntes vergisst John Franklin so schnell nicht mehr. Er nimmt Details wahr, die andere übersehen. Er erkennt Lösungen, wo andere sie nie vermutet hätten.

Und so entdeckt John Franklin am Ende seiner Reise viel mehr, als er sich je erhoffen konnte.

Absolut empfehlenswert!