Stefan Zweig – Gesammelte Werke

Wenn das unter Aufmerksamkeitsdefizit leidende Lese-Ich beim aktuellen Roman gerade einen Hänger hat und sich verzweifelt nach Abwechslung sehnt gibt es einen Geheim-Tipp von mir: Stefan Zweigs Kurzgeschichten – jede für sich ein kleines Kunstwerk! Zweigs Schreibweise ist grandios, die Geschichten machen einfach Spaß und sind perfekt geeignet für das kurze „Lesevergnügen für Zwischendurch“.

Für alle Nicht-Fans von Kurzgeschichten (so wie mich): Stefan Zweig hat eine Chance verdient 🙂 Wer die Schachnovelle noch nicht aus der Schule kennt, der hat was verpasst – hier geht’s zur Review #buchempfehlung #schachmalspannend

Für eine zusätzliche Prise „Zweig-Feeling“ anbei zwei kurze Leseproben:

Leporella

Gesammelte Werke, Zweig, 2014, S. 524 (515-539)

Stefan Zweig - Leporella

Die Geschichte einer Tirolerin, mit dem klingenden Namen Crescentia Anna Aloisa Finkenhuber:

„[…] mit einem Mal setzte um die verkniffenen Lippen der Crescenz, die sonst, wie alle Tiere, niemals lachte, ein gewaltsames Zerren und Dehnen ein. Der Mund wurde schief, schob sich breit in die Quere, und plötzlich quoll mitten aus ihrem idiotisch erhellten Gesicht ein Grinsen dermaßen offen und tierisch hemmungslos hervor, dass der Baron, von diesem Anblick peinlich überrascht, sich der übel angebrachten Vertraulichkeit schämte und wortlos in sein Zimmer trat.“

Mondscheingasse

Gesammelte Werke, Zweig, 2014, S. 314 (313-329)

Stefan Zweig - Mondscheingasse

„[…] Sie müssen sich verstecken irgendwo in einer Niederung der großen Stadt, diese kleinen Seitengassen, weil sie so frech und aufdringlich sagen, was die hellen Häuser mit blanken Scheiben und vornehmen Menschen in hundert Masken verbergen.“