Kaffee und Zigaretten

KAFFEE UND ZIGARETTEN
(Ferdinand von Schirach)
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Erzählungen, 187 Seiten

In achtundvierzig kurzen Kapiteln erzählt Ferdinand von Schirach Anekdoten, Kurzgeschichten, Kommentare zum Zeitgeschehen und vieles mehr. Eine wilde Mischung, in die ich mich erst eingewöhnen musste, die aber im Nachhinein betrachtet eine gewisse Faszination beim Lesen auf mich ausgeübt hat… Man weiß schließlich nie, was das nächste Kapitel bereithält.

Die Kurzkapitel scheinen zusammenhanglos durcheinander gewürfelte Bruchstücke, sind sich jedoch von Thematik und Grundstimmung sehr ähnlich. Viele der Kapitel haben einen melancholischen, depressiven, nachdenklichen, teilweise verzweifelten aber auch hinterfragenden Charakter. Schirach erzählt unter anderem von persönlichen Erinnerungen und Begegnungen, die ihn in gewisser Weise geprägt haben oder für ihn bedeutsam waren. Auf jeden Fall ein sehr persönliches Buch, in dem der Autor einen gewissen Einblick in sein Privatleben, seine Depressionen und seinen Beruf als Strafverteidiger gewährt.

Ich war anfangs skeptisch, da ich wenig über den Autor wusste und deshalb die Kapitel oft nicht richtig zuordnen konnte. Die biografischen Ausschnitte aus Schirachs Leben stifteten teilweise Verwirrung, da ich sie nicht als solche identifizieren und von Kapiteln mit anderen Thematiken abgrenzen konnte. Mit der Zeit gewann das Buch jedoch an Anziehungskraft, einfach auch deshalb weil die Kapitel derart rasant beim Lesen vorbeifliegen. Das Buch hat bei mir eine gewisse Melancholie und Nachdenklichkeit hinterlassen.

Trotz anfänglicher Skepsis und Verständnisschwierigkeiten, auf jeden Fall eine Buchempfehlung! Ein kleiner Tipp: Lest euch vorher ein paar Zeilen zu Schirachs Leben durch, das macht vieles einfacher 😉