The End of Marketing

THE END OF MARKETING
(Carlos Gil)
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Social Media Ratgeber, 226 Seiten

Kernbotschaft des Buchs: Traditionelles Marketing ist TOT. Seitdem Social Media aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist, haben sich auch die Ansprüche an das Marketing verändert. Wer sich als Marketer in professioneller Mission in den Dschungel aus Facebook, Instagram, LinkedIn, Twitter & Co begibt, kann an vielen Ecken und Enden in die Falle tappen (oder – um bei der Metapher zu bleiben – auf einen Pfeilgiftfrosch stoßen).

Ganz kurz – worum geht’s?

Carlos Gil betont zu Beginn seiner Kapitel immer wieder gerne die Kernbotschaft: Traditionelles Marketing à la TV, Radio und Printwerbung ist für ihn schon lange gestorben. Wer sich den Käuferschichten der Gegenwart und Zukunft widmen möchte, muss sich auf die Plattformen der Milllenials und der Generation Z begeben. Die meisten Unternehmen pushen ihre Marken zu aggressiv in sozialen Medien und verschrecken die nach Zerstreuung und Unterhaltung suchenden Nutzer mit platten Verkaufsangeboten. Tarzan schwingt sich gerne mit lautem Gebrüll von seiner Liane und verscheucht mit einem inbrünstigen „MINUS 50 PROZENT!!!“ die heiß begehrten exotischen Dschungeltiere, in diesem Fall potenzielle Käufer.

Ganz im Sinne einer Dschungel-Überlebenstechnik sollte man sich und seine Verkaufsabsichten besser tarnen und seiner Marke mithilfe von engagierten Mitarbeitern oder zufriedenen Kunden ein Gesicht geben. Denn das, was wir alle auf sozialen Medien wollen, ist nur eins: soziale Kontakte, Interaktion und Aufmerksamkeit. Und dieses wohlige Gefühl von Wertschätzung und sozialer Nähe bekommen wir nun mal nicht von einem quietschgelben Banner mit der Info zum nächsten „BIG SUMMER SALE!!!“. Der Autor nennt es „Humanizing your brand in the age of social media and AI” (so der Untertitel des Buches). Und besser könnte man es vermutlich auch gar nicht beschreiben, denn auf Englisch klingt sowieso gleich alles fancy und viel besser.

Warum lesen?

Was Carlos Gil für mich als Experten authentisch macht, ist die Tatsache, dass er sich alles über soziale Medien selbst durch Trial und Error beigebracht hat. Er schildert sein Scheitern und seine Erfolge, teilt Best- und Worst-Practice und schreibt auf diese Weise ein Buch, das für die Praxis wirklich nutzbar ist.

Das Buch ist jedoch nicht nur für Marketer interessant, sondern sicher für uns alle, die wir soziale Medien auch privat nutzen. Ich finde es wichtig, sich klarzumachen, dass auf Plattformen wie Facebook oder Instagram vieles nur Schein ist. Tarnen und täuschen wird im Dschungel großgeschrieben: Wo wir glauben, in das „echte Privatleben“ von bekannten Personen, Bloggern oder Influencern Einblick zu erhalten und Teil einer großen Fangemeinde zu sein, kann der Eindruck oft täuschen. Was uns Influencer als ihre Lieblingsprodukte verkaufen und am Ende doch nur eine bezahlte Kooperation darstellt, ist für den Nutzer oft nicht klar auszumachen. Genauso können Follower-Zahlen, Likes und Engagement irreführen, da diese teilweise für ein paar Dollar gekauft oder von automatisierten Bots generiert werden, um den Social Media Account zu pushen und etwas „aufzuhübschen“.

Um sich im Dschungel zurechtzufinden, ist es manchmal hilfreich, auf eine Palme zu klettern. Genau dabei hilft dieses Buch.