Les Misérables

LES MISÉRABLES – DIE ELENDEN
(Victor Hugo)
****

Roman, 1625 Seiten

Les Misérables – zu Deutsch Die Elenden. Ein 1625 Seiten starker Klassiker von Victor Hugo, von dem ich nun endlich wahrheitsgetreu behaupten kann, ihn gelesen zu haben. Bis zur letzten aus hauchdünnem Papier mit klitzekleinen Buchstaben bedruckten Seite. Tadaa!

Ganz kurz, worum geht’s?

Hugo zeichnet das Leben der Unterschicht in Frankreich in den Jahren rund um die Französische Revolution nach. Anhand zahlreicher Charaktere aus den verschiedensten unteren Schichten zeigt Hugo, dass Armut durchaus unterschiedliche Abstufungen haben kann: vom schludrigen Studenten, der die Almosen des reichen Großvaters ausschlägt, bis zum Bettlerjungen, der sein Nachtlager im Bauch einer Gedenkstatue aufschlägt. Die Blickwinkel wechseln konstant und die Geschichte spinnt ein komplexes Netz aus einzelnen Protagonisten und Schauplätzen.

Hauptaugenmerk des Romans liegt auf dem Zuchthäusler Jean Valjean. Zuchthäusler waren Kriminelle, die zur Strafe für ihr Vergehen in ein Zuchthaus geschickt wurden. Dort mussten sie meist lebenslänglich schwerste Arbeit verrichten und waren harter Misshandlung ausgesetzt. Zuchthäusler standen laut damaligem Verständnis ganz oben auf der Liste allen menschlichen Abschaums, waren gebrandmarkt von der Schandtat, die sie begangen hatten und konnten aufgrund ihrer Vergangenheit nicht wieder zu einem normalen Leben zurückfinden. Trotz schwerster Umstände schafft es Jean Valjean jedoch durch Geschick, Disziplin und Stärke, sich in der Gesellschaftshierarchie hochzuarbeiten mit dem Ziel, seine begangenen Fehler wieder gutzumachen…

Warum lesen?

Les Misérables gehört zu den absoluten Herzstücken der französischen Literatur, was für mich persönlich den Ausschlag gab, den Roman zu lesen. Hugo charakterisiert mit viel Empathie die damaligen Pariser Unterschichten. Neben der Geschichte rund um den Protagonisten Jean Valjean erfährt man viel über die Zeit der Französischen Revolution, sowie Gebräuche und Gepflogenheiten in der damaligen Pariser Unterschicht. Auch über Paris selbst gibt es einiges zu lesen, besonders fasziniert (und geekelt) hat mich ein Kapitel über das unterirdische Netzwerk der städtischen Kloake. Hugo teilt in Les Misérables sein Wissen über geschichtliche Verwicklungen sowie persönliche gesellschaftskritische Sichtweisen. Somit wird das Buch zu einer Mischung aus Abenteuerroman, geschichtlicher Abhandlung und zeitkritischem Kommentar.

Nichtsdestotrotz hat das Buch viele Längen und durch zahlreiche Abschweifungen, Erklärungen und „literarische Ergüsse“ wird die Handlung teilweise künstlich in die Länge gezogen. Wer eine Geschichte mit flotter und fesselnder Handlung sucht, ist hier eher an der falschen Stelle…

Les Misérables hat mich nun über einige Monate hinweg begleitet und musste nicht wenige Bücher als Nebenbuhler dulden. Nach 700 Seiten Elend war es für mich an der Zeit, eine Pause einzulegen und danach tröpfelte mein Lesefortschritt nur noch sehr langsam dahin. Manchmal war das Buch eher eine Aufgabe, die ich mir selbst gestellt hatte, anstatt ein Lesevergnügen. Dennoch konnte ich viel Neues aus dem Roman mitnehmen und bereue es rückblickend nicht, die Zeit investiert und das Buch gelesen zu haben 🙂